Stefan Selle dokumentiert Freuden und Leiden des Pilgeralltags
"Auch der längste Weg beginnt mit einem ersten Schritt." Dieses chinesische Sprichwort hat der gebürtige Weyhäuser Stefan Selle seinem Buch "Camino Francés - 888 Kilometer in 88 Stufen" vorangestellt. Es passt nicht nur zum Jakobsweg nach Santiago de Compostela, den Selle in seinem Bildband dokumentiert, sondern auch zu seinem Lebensweg und zur Entstehung dieses Buches.
Selle, der in Weyhausen groß geworden ist und dessen Eltern und Schwester noch im Boldecker Land leben, ist den Camino Francés von Mai bis Juli 2007 gelaufen. Anlass war der Wunsch nach Veränderung: Nach sieben Jahren als Projektleiter und Softwareentwickler eines mittelständischen Unternehmens in Mannheim wollte er sich auf dem Weg Gedanken über seine berufliche Zukunft machen. Herausgekommen sind ein Ruf als Professor für Wirtschaftsinformatik an die Universität Saarbrücken (*) und der Bildband. "Den haben mir meine Freunde vorgeschlagen, nachdem sie die Fotos gesehen hatten", sagt er.
Ein Bildband lebt durch die Fotos. Dieser Bildband aber nur auf dem ersten Blick: Zwar nehmen die Ansichten der Landschaften gefangen, amüsiert das Foto von den Wanderschuhen in der Herberge, lässt der Blick in den Schlafsaal die Härte des Pilgerlebens erahnen. Aber auch die Texte machen das Buch lesenswert.
Stefan Selle, Jahrgang 1968, nimmt den Leser mit auf seine Wanderung. Er schildert die Freuden und Leiden des Pilgeralltags, berichtet von seinem Ruf nach Saarbrücken und beschreibt Menschen, Landschaften und Orte.
Das Buch ist klar strukturiert: Jedem der 88 Schritte - die nicht mit
Tagesetappen identisch sind - ist eine Doppelseite gewidmet. Zusätzlich
zu dem ganzseitigen Foto gibt es eine Landkarte, den Stempel einer
Pilgerherberge oder ein Zitat wie "Nicht in die ferne Zeit verliere dich!
Den Augenblick ergreife! Der ist dein" von Friedrich Schiller.
Und Selles Text. Wer sich für das Buch interessiert, erfährt mehr im
Internet unter
www.camino-frances.com.
Christina Rudert, Aller-Zeitung, 23. September 2008.
(*) Anmerkung / Korrektur: Hier handelt es sich nicht um die Universität des Saarlandes sondern um die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) des Saarlandes.